Hauptbereich
Hortus conclusus - Nicole Bianchet
Der „Hortus conclusus“ ist als verschlossener Garten ein beliebtes Motiv der Kunstgeschichte. Das berühmte Paradiesgärtlein des Oberrheinischen Meisters (um 1410), das sich im Besitz des Städel Museums in Frankfurt befindet, zeigt einen abgeschiedenen Garten voller Musikinstrumente, Pflanzen und Wesen, klingend und voller Farbe und Leben. Die begrenzenden und beschützenden Mauern sind vom Blau der Unendlichkeit eingefasst, einer ungeformten, endlosen Sphäre, die die Welt der Manifestationen und temporären Festlegungen umgibt.
Vermag es die Kunst, auf dieses Unbestimmte, Unbenannte zu verweisen oder gleicht das liebliche Leben im Hortus conclusus einer Illusion, welche eine Realität voller Fratzen der Psyche und des bedrohlichen Weltgeschehens nur scheinbar ausschliesst? Die Mäuerchen haben Risse, die Bilder Schnitte und Durchbrüche...
Das Museum Altes Rathaus in Leingarten wird zum „Hortus conclusus“, in dem man von Raum zu Raum wandern und in Nicole Bianchets Version einer abgeschiedenen Welt eintauchen und gleichermaßen den Rückzug und die unterschwellige Bedrohung erleben kann.
Eigens für diese Ausstellung geschaffene Soundinstallationen mit dem gleichnamigen Titel treten in einen Dialog mit Bianchets Werken. Im Rahmen der Ausstellung wird zudem ein neuer Holzschnitt geschaffen, dessen Entstehung vom Publikum nachvollzogen werden kann.
Die 1975 in Los Angeles geborene Künstlerin und Musikerin Nicole Bianchet inszeniert Räume mit Holzarbeiten, Fotografie und Klang. Farbe wird lasierend aufgetragen, die Oberfläche mit dem Messer geöffnet - der hölzerne Träger wird verletzt und mit Farbe regeneriert. Von weitem wirken die Arbeiten wie abstrakte, menschenleere Landschaften; von nahem eröffnet sich ein malerischer Mikrokosmos. Bianchet schafft Räume, in denen Realität und Wahrnehmung verschwimmen. Zwischen Lebhaftigkeit und Zerstörung, zwischen Sehnsucht und Überdruss entstehen ambivalente Szenen, die sowohl locken als auch abstoßen.
Bianchet studierte Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Karin Sander und Gustav Kluge, dessen Meisterschülerin sie ist. Sie lebt und arbeitet in Heilbronn, Middelburg (Niederlande) und Berlin und wird von der Galerie Michael Haas vertreten.





